Prof. Dr. med. André-Michael Beer ist im Sommer 2024 nach 27 Jahren als erster Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen in den Ruhestand gegangen. Er ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Zusatzbezeichnungen erlangte er für Naturheilverfahren, Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen, Balneologie und medizinische Klimatologie sowie Zusatzqualifikationen in Akupunktur, Notfallmedizin und psychosomatische Medizin. 2004 habilitierte er sich als erster Mediziner nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland an einer staatlichen Universität (Ruhr-Universität Bochum) auf dem Gebiet der Naturheilkunde und lehrte dort Naturheilverfahren und Physikalische Medizin. Den Vorsitz im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung im Deutschen Heilbäderverband führt er bis heute.
Foto: Katholisches Klinikum Bochum
Fallbeispiel: Chronische Harnwegsinfekte
Wie Integrative Medizin hilft
Weltweit zählen Entzündungen der Harnwege zu den häufigsten bakteriellen Infektionen – und sind einer der wesentlichen Gründe dafür, Antibiotika zu verschreiben. Dennoch treten wiederkehrende Harnwegsinfekte in hohem Maße auf, verbunden mit Antibiotika-Resistenzen und verringerter Lebensqualität der Betroffenen. Integrative Medizin kann bei dieser Indikation erfolgreich helfen, wie Prof. Dr. André-Michael Beer in diesem Fallbeispiel schildert. Der ehemalige langjährige Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen gehört dem Beirat der Initiative GESUNDE VIELFALT an.
Relevanz
Etwa 60 Prozent aller Frauen weltweit erkranken mindestens einmal im Leben an einem Harnwegsinfekt. Häufig kommt es zu einer wiederkehrenden Entzündung der Harnwege, eine aktuelle Studie spricht von bis zu 80 Prozent der Betroffenen.1 Männer sind deutlich seltener betroffen. Chronisch-rezidivierende Harnwegsinfekte stellen in der ärztlichen Praxis eine therapeutische Herausforderung dar. Die Behandlung geschieht häufig mit Antibiotika – mit dem Risiko einer Resistenzbildung, einer Störung des Darm-Mikrobioms (Darm-Dysbiose) und einer Pilzinfektion.
Diagnose
Sandra Berg, 49, leidet seit fünf Jahren an chronisch-rezidivierenden Harnwegsinfekten. Ihre Gynäkologin hat sie deshalb in die Klinik für Naturheilkunde in Hattingen-Blankenstein überwiesen.2 Frau Berg berichtet, dass sie an diffusen Verdauungsbeschwerden und Durchfällen leide und inzwischen Schwimmbäder meide. Bei der Aufnahme wirkt Sandra Berg subdepressiv. Sie gibt an, „verzweifelt“ zu sein, nachdem sie mehrere Fachärzte ohne einen längerfristigen Erfolg konsultiert habe.
Konventionelle Therapie
Wegen der wiederkehrenden Beschwerden hat Frau Berg allein im zurückliegenden Jahr viermal ein Antibiotikum erhalten. Dennoch wurden die Abstände immer kürzer, in denen sie beschwerdefrei war.
Integrativmedizinische, naturheilkundliche Komplextherapie
Ergebnis der naturheilkundlichen Therapie
Nach zwei Wochen wird Frau Berg beschwerdefrei entlassen. Ihre psychische Verfassung hat sich deutlich gebessert und stabilisiert. Die Harnwegsinfekte treten nicht wieder auf.
Fazit
Eine multimodale naturheilkundliche Therapie lässt sich – nach entsprechender Anleitung – auch eigenverantwortlich zu Hause mit gutem Erfolg weiterführen. Eine wiederholte Antibiotikatherapie mit Nebenwirkungen wie einer Darm-Dysbiose oder Pilzinfektionen kann dabei oft vermieden werden.
Vita Prof. Dr. André-Michael Beer
Über „Gesunde Vielfalt“
Die Initiative „Gesunde Vielfalt“ ist ein unabhängiger Zusammenschluss von Experten und Expertinnen unterschiedlicher Therapieformen. Unser Ziel ist, das Zusammenwirken von konventionellen und komplementären Therapien – sprich: die Integrative Medizin – stärker in den Vordergrund der Diskussion zu rücken, um notwendige Verbesserungen des Gesundheitssystems anzustoßen. Wir stehen dabei für den gegenseitigen Respekt der Therapieformen und Heilberufe. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Wir setzen uns für einen Paradigmenwechsel ein: Der Patient, die Patientin muss zum gleichberechtigten Akteur neben dem Arzt, der Ärztin werden, um das Gesundheitswesen nachhaltig zu reformieren. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Information und Aufklärung der Öffentlichkeit, der Nähe zur Praxis und Vernetzung von Ärztinnen, Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern und Heilberufen im Sinne der Patientinnen, der Patienten. Wir verstehen uns als Plattform und Impulsgeber für einen ideologiefreien, offenen Diskurs um die Verbesserung des Gesundheitswesens in Deutschland.
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Quellen:
1 https://www.mdpi.com/2392-7674/12/1/5
2 Name redaktionell geändert