Prof. Dr. med. Jost Langhorst ist seit 2019 Chefarzt der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum am Bruderwald, Sozialstiftung Bamberg, mit 25 stationären Betten, einer Tagesklinik mit 20 Plätzen und einer Praxis für Integrative Medizin und Naturheilkunde. Der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie studierte Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der University of California in San Francisco und der Harvard Medical School in Boston (1987 – 1994) und promovierte 1995. 2008 habilitierte er sich im Fach Naturheilkunde. Er hat einen Lehrstuhl für Integrative Medizin inne mit Schwerpunkt Translationale Gastroenterologie der Universität Duisburg-Essen am Klinikum am Bruderwald in Bamberg.
Gesundheitskompetenz der Patienten entlastet das Gesamtsystem
Prof. Dr. Jost Langhorst zu Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge
Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge – diese zwei Stichworte stehen für mündige Patienten, die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen. Die Entlastung des Gesundheitssystems durch deren Eigeninitiative ist nur einer der vielen Vorzüge. Wie erfolgreich Integrative Medizin in diesem Feld ist, erläutert Prof. Dr. Jost Langhorst, Direktor der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum am Bruderwald in Bamberg gegenüber der Initiative GESUNDE VIELFALT. Mit ärztlichen Tagesklinik-Kollegen in Berlin und Essen hat er zudem gerade den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, wie positiv sich Selbstfürsorge auswirkt. Die entsprechende Studie wird demnächst veröffentlicht.
Wer davon überzeugt ist, selbst Einfluss auf seine Gesundheit nehmen zu können, handelt auch im Fall einer Krankheit dementsprechend: Aktuelle Studien belegen, dass die sogenannte Selbstwirksamkeit einen großen Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität haben kann. Verlinkung der Studie: Und dass umgekehrt chronisch kranke Menschen umso weniger von ihrer Selbstwirksamkeit überzeugt sind, je mehr Einschränkungen sie schon aufgrund ihrer Erkrankung(en) erlebt haben. Was auch als Salutogenese bezeichnet wird, findet immer mehr Eingang in medizinische Therapien. In der Naturheilkunde gehört sie schon lange zum Konzept von Linderung und Heilung, etwa an der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum am Bruderwald in Bamberg.
Ein salutogenetischer Zugang flankiert den pathogenetischen Zugang
„Es geht uns dabei darum, den häufig rein pathogenetischen Zugang in der konventionellen Medizin, die Krankheit zu bekämpfen, um einen salutogenetischen Zugang zu ergänzen, also ,die Gesundheit zu erhalten‘“, betont Klinikdirektor Prof. Jost Langhorst. Kennzeichnend hierfür sei eine ressourcenorientierte Arbeit mit den Patienten. „In diesem Zusammenhang sind Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge wichtige Ziele der Therapie. Niedrigschwellige Therapieangebote wie Bewegung, Ernährung und Stressmanagement gehören dazu“, so Prof. Jost Langhorst. „Das wird vervollständigt und umgesetzt durch exzellente Physiotherapeuten und ein ausgezeichnetes Pflegeteam, das naturheilkundlich zusatzqualifiziert ist. Unser ,Operationssaal‘ ist die Ordnungstherapie, bei der Psychologen, Gesundheitspädagogen, Ökotrophologen und Diplomsportler in einem Team auf der Basis von achtsamkeitsbasierten Verfahren zu Generalisten ausgebildet werden. Dadurch bringen sie ihre spezielle Expertise in einem strukturierten Gesamtkonzept ein. All die genannten Therapien werden aufeinander abgestimmt und greifen ineinander“, betont der Facharzt für Innere Medizin, Naturheilkunde und Psychotherapie.
Selbstfürsorge: Patienten mündig machen
„Wir setzen wichtige Impulse für Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge und fördern dadurch aktiv die Gesundheitskompetenz der Patienten. So werden sie dazu befähigt, auch im Alltag mehr Eigenverantwortung für sich und ihre Gesundheit übernehmen zu können“, betont Prof. Jost Langhorst. Dabei gehe es individuell immer „um Selbstermächtigung und darum, den inneren Heiler zu aktivieren. Und eben nicht nur zu hoffen, dass man durch Maßnahmen von außen alles abfängt.“ Häufig würden Therapieoptionen den Patienten nur ,hingeworfen‘. „Man sagt ihnen, dass sie sich selbst um deren Anwendung kümmern müssten. Es macht aber genau deshalb absolut Sinn, komplementäre Verfahren in einem ganzheitlichen Konzept abzubilden.“
Qualitative Forschung durch Patienten-Interviews
Um zu zeigen, wie effektiv seine Vorgehensweisen sind, setzt Klinikdirektor Prof. Jost Langhorst auch auf qualitative Forschung in Form von Interviews mit den Patienten: „So bilden wir im Prinzip die dritte Säule der Evidenz ab – die der Erfahrung der Patienten. Wir erhalten von den Patienten viel Zuspruch, etwa: ,Genau das hat mir gefehlt, genau das habe ich für meine chronische Erkrankung gebraucht.‘ Viele sagen auch: ,Ich habe von diesem ganzheitlichen Konzept ausdrücklich profitiert!‘ Und diesen Erfolg können wir jetzt auch wissenschaftlich belegen.“
Partnerschaften mit Mehrwert
Gemeinsam mit dem Immanuel-Krankenhaus in Berlin, dem Zentrum für Naturheilkunde und Planetare Gesundheit am Universitätsklinikum Essen sowie der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen nutzen der Internist und seine Kollegen Daten aus der Versorgungsforschung. „Gemeinsam können wir zeigen, dass wir einen Mehrwert generieren und nachweislich den Unterschied machen, den uns die Patienten auch im Einzelgespräch bestätigen.“
Maßgebliche Rolle der Selbstwirksamkeit
Prof. Jost Langhorst und sein Team setzen gleichermaßen konventionelle wie komplementäre Diagnostik und Therapien ein – je nachdem, „wo die Defizite und Bedürfnisse des einzelnen Patienten liegen. „Integrativ und ganzheitlich bedeutet, die individuelle Konstitution des Patienten und seine bio-psycho-soziale und spirituelle Situation mit zu berücksichtigen. Auch die Krankheitsverarbeitung kann einen hohen Stellenwert haben“, so Prof. Jost Langhorst. „Das Gefühl der Selbstwirksamkeit spielt dabei eine maßgebliche Rolle.“
„Wir wollen Krankheiten nicht nur bekämpfen, sondern Gesundheit erhalten. Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge sind daher wichtige Therapiebausteine der Integrativen Medizin.“
Prof. Dr. Jost Langhorst, Direktor der Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum am Bruderwald in Bamberg
Vita Prof. Dr. med. Jost Langhorst